11. Januar 2011

A&k: Strukturwandel der Arbeitswelt

2 Artikel: Aus Politik und Zeitgeschichte, DER SPIEGEL
  1. "Zu den Konstanten der modernen Gesellschaft gehört der permanente Wandel ..."

    • In Deutschland gibt es zwei Arbeitswelten, sie existieren nebeneinander - und driften immer weiter auseinander.
      • Wichtige politischen Weichenstellungen, welche diese Entwicklung eingeleitet bzw. stark beschleunigt haben: Einführung der (heute so genannten) Minijobs, später einsetzender Kündigungsschutz für neue Arbeitsverträge, Hartz IV.
    • Da ist auf der einen Seite die Welt der Beschäftigten in Normalarbeitsverhältnissen; sie leben in langfristigen und gesicherten Anstellungen und waren das Modell des deutschen Wirtschaftswunders. Jahrzehntelang stieg ihr Einkommen. Auf ihnen basiert das deutsche Sozialstaatsmodell mit seinen Sicherungssystemen, die über Abgaben und Steuern finanziert werden. Diese Welt verschwindet nicht, aber sie schrumpft.
    • Auf der anderen Seite ist eine zweite Welt entstanden, flexibler und vielfältiger, bunter, aber auch brutaler. Hier gibt es keine lebenslangen Jobs, sondern viele Beschäftigungsformen: Teilzeitarbeit und zeitlich befristete oder projektbezogene Vollzeitarbeit, Leiharbeit und Minijobs, in denen man für 400 Euro nur ein paar oder 40 Stunden in der Woche arbeiten muss und oft zur Selbständigkeit gezwungen ist. In dieser neuen Arbeitswelt wird manchen der große Wohlstand versprochen, aber es gibt auch Menschen, die 35 Stunden arbeiten und dennoch nicht von ihrem Einkommen leben können.
    • In den Unternehmen verfestigt sich allmählich eine Drei-Klassen-Gesellschaft: Es gibt die Stammbelegschaft mit den Managern und wichtigen Mitarbeitern, es gibt externe Spezialisten, die zu Projekten hinzugezogen werden, und schließlich gibt es flexible Arbeitskräfte, die bei Bedarf eingestellt und wieder entlassen werden.
    • In manchen Dienstleistungsbranchen wie dem Einzelhandel, der Gastronomie, dem Bildungsbereich oder den Pflegeberufen sind die atypischen Arbeitsverhältnis inzwischen die Norm.
    • Mit dem Niedriglohnsektor wächst der Druck auf die sozialen Sicherungssysteme.
    • Sozialpartnerschaftliche Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer lösen sich immer weiter auf.
    • Noch immer ist Bildungspolitik Sache der Bundesländer. In Zeiten aber, in denen von den Erwerbstätigen permanente Mobilität erwartet wird, stößt auch das föderale Prinzip an seine Grenzen.
      • Nicht nur. Das zersplitterte Bildungssystem reduziert auch die Möglichkeit der Ausübung von Grundrechten wie z.B. freie Wahl von Arbeitsplatz, Wohnort, etc.

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