18. Januar 2011

A&k: Wie uns das Internet verändert

3 Artikel: Focus (2x), Frankfurter Allgemeine Zeitung
  1. Das Ende des Vergessens
    Nicholas Carr, FOCUS 09.12.2010
    • Die perfekte Erinnerung des Netzes berührt [...] unsere Fähigkeit, die eigene Identität zu kontrollieren, inklusive der Möglichkeit, uns neu zu erfinden, neu zu beginnen, die Vergangenheit hinter uns zu lassen.
    • Start-ups, die sich gezielt mit der Löschung von Privatdaten beschäftigen.
      • Privatsphäre = Geschäftsmodell? Keine gute Idee!
    • Datenschutz wird oftmals verstanden als Mechanismus gegen die unerlaubte Nutzung von Datenfragmenten, die gegen unseren Willen publik geworden sind.
      • Datenschutz soll Missbrauch verhindern, ist also primär in die Zukunft gerichtet.
      • Unerlaubte Nutzung von persönlichen Daten ist eine Form von Datenmissbrauch.
  2. Jeffrey Rosen, FOCUS 16.12.2010
    • unsere Abhängigkeit vom Internet hat auch eine Schattenseite. Eine wachsende Masse an wissenschaftlichen Studien bestätigt die These, dass das Netz uns durch konstante Ablenkungen, Unterbrechungen und Reizüberflutungen zu intellektueller Oberflächlichkeit verführt.
      • Reizüberflutung: "It's not information overload. It's filter failure."
      • [Ergänzung vom 25.03.2011: Neben kommentierender Begleitung durch und in Blogs zeichnen sich neue Lösungen für das Filter-Problem ab, wie Thomas Knüwer in einem an Zeitungsverleger adressierten Beitrag verweist. Zum einen werden Empfehlungen von Freunden via Soziale Netzwerke zunehmend wichtig, zum anderen ist das Potenzial von automatischen Filtern bislang nur ansatzweise erschlossen.]
      • Ablenkungen und Unterbrechungen: ätzend, wenn fremdbestimmt (z.B. Anrufe)
      • intellektuelle Oberflächlichkeit: hängt auch mit dem "Ende des Vergessens" (s.o.) zusammen
      • OK, intellektueller Tiefgang verträgt sich schlecht mit konstanten Ablenkungen, Unterbrechungen und Reizüberflutungen. Aber: Nicht jeder will eine Doktor-Arbeit schreiben.
    • Assoziationen sind essentiell, um komplexe Konzepte zu durchdringen und kritisch zu denken.
      • Meine Thesen hierzu: 
        1. Im Internet kann jedes Info-Fitzelchen zur Vertiefung anregen, und jedes Aha-Erlebnis ist mit Lust-Gewinn verbunden.
        2. Assoziatives Denken, kritisches Hinterfragen und selbstbestimmtes Lernen werden durch das Internet gefördert. 
        3. Das erforderliche Bildungsniveau zum Erfassen/Verstehen komplexer Zusammenhänge wird durch Internet-gestütztes Selbstlernen schneller erreicht. Kurz gesagt: Selbstbestimmtes Lernen bewirkt Turbo-Bildung.  
      • [Ergänzung vom 07.02.2011: Artikel über Erziehungsmethoden bzw. Drill vs. Feingefühl.]
    • Frühere Experimente haben aufgedeckt, dass mit steigender Zahl von Links in einem Onlinedokument, das Leseverständnis abnimmt.
      • Das Argument ist irreführend: Verständigung ist erfolgreiche Kommunikation. Diese kommt nur zustande, wenn beide Seiten (Sender und Empfänger) ihren Teil dazu beitragen.
      • Autoren müssen sich verständlich ausdrücken. Das ist zuerst eine Frage des Handwerks. (Beispiele: Lässt es sich flüssig lesen? Satz-Länge angemessen? Verständliche Grammatik, Komma-Setzung, Rechtschreibung? Werden Wörter, die nicht allgemein bekannt sind, sparsam verwendet und evtl. definiert? Ist es unterhaltend?) Und Leser müssen den Text mindestens nicht falsch verstehen wollen.
      • Für andere Kommunikationsformen (TV, Radio, etc.) gilt sinngemäß das gleiche.
      • Wikipedia weist viele Links zu anderen Artikeln der Enzyklopädie auf. Und das ist gut so!
      • Bei zu vielen Links wirkt ein Text schnell abschreckend. Dann tritt der selbe Effekt ein wie bei Frontal-Unterricht: Der Rezipient schaltet ab. 
      • [Nachtrag vom 31.03.2011:]
        Schüler müssen „ihre Unklarheit selbst in Klarheit verwandeln.“ ... Immer noch werden Schüler mit Antworten auf Fragen erdrückt, die zu stellen sie gar keine Chance hatten ... Belehrung löst eine Art Immunabwehr aus. Wenn die Mechanik von Belehrung und Abwehr erst mal eingefahren ist, schalten die Schüler ab. Was ein Dialog hätte werden können, wird zum Clinch. Die Schüler schicken dann ihre Phantasie schon morgens lieber gleich spazieren und stellen nur ihre schlaffen Körper im Klasseraum ab.
        Reinhard Kahl: Bulimie-Lernen. Wie das Internet die Bildung verändert, SWR2 Wissen vom 13.03.2011, 17. Minute. Manuskript (PDF), Audio (MP3)
      • Eine weitere Rolle können die gewählten Farben für Text, Hintergrund und Link spielen. Bei ungünstiger Farbkombination wird ein Text mit vielen Links schlicht unleserlich.
  3. Hildegard Kaueln, FAZ 17.01.2011
    • Männliche Nagetiere geben bei der Zeugung ihrer Nachkommenschaft [...] Informationen über das vorhandene Nahrungsangebot an die Jungtiere weiter. Sie schreiben dem Wurf einen epigenetischen Hinweis ins Genom, welche Stoffwechselwege angesichts der verfügbaren Kost besonders aktiv sein müssen und welche verzichtbar sind.
      • Ob "Stoffwechsel"-Anpassungen der Generation Internet auch epigenetisch weiter gegeben werden? ;-)

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