2. Mai 2011

Aufgelesen und kommentiert: Ethikkommission Atomkraft

Die Energiewende ist so zu gestalten, dass keine sozialen Verwerfungen, keine Wettbewerbsnachteile für die deutsche Wirtschaft und keine neue Risiken entstehen.
Klaus Töpfers "Königsweg" (sinngemäß)
Hierzu meine volle Zustimmung. Nur der Faktor Zeit fehlt.
Heinz-Peter Schlüter vom Aluminiumproduzenten Trimet betonte, wie wichtig eine sichere Stromversorgung für seine Branche ist - rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr: "Fällt der Strom für vier Stunden aus, sind unsere Produktionsanlagen irreparabel zerstört."
Wie bitte? Diese Behauptung kann nicht stimmen. Schließlich muss jede Produktions-Anlage zu Wartungszwecken planmäßig herunter gefahren werden können. Und falls ein Aluminiumwerk durch einen mehrstündigen Blackout tatsächlich zerstört würde, wäre der Schaden lokal begrenzt und versicherbar. Weder Aluminium-Hersteller noch Volkswirtschaft würden bleibende Schäden davon tragen. Kurzum: IMHO ist der Herr Schlüter für diese Kommission eine Fehlbesetzung.

[Nachtrag 30.05.2011: Die Bundeskanzlerin hat sich sehr herzlich für den Abschlussbericht der Ethikkommission "Sichere Energieversorgung" (PDF) bedankt. Mit Blick auf die Zusammensetzung der Kommission sagte sie sinngemäß, dass eine gemeinsame Position nicht zu erwarten war. :-D]
In den deutschen Haushalten .. gibt es noch Nachholbedarf [in Sachen Effizienz], sagte Franz-Georg Rips vom Deutschen Mieterbund. Doch gerade die Hausbesitzer seien oft schon so alt, dass sie vor einer energetischen Sanierung ihrer Immobilie zurückschreckten, weil sich die Investition für sie nicht mehr amortisieren würde.
Das ist nicht nur eine Sache der Wirtschaftlichkeit. Es ist auch eine Frage der Bequemlichkeit, gerade für alte Menschen - schließlich ist eine Sanierung für gewöhnlich mit Lärm und Dreck verbunden.
Rips' praktischer Vorschlag: die finanzielle Förderung der Gebäudesanierung an einen altersgerechten Umbau koppeln.
Synergie-Effekte auf diese Weise erzwingen? Das halte ich für keine gute Idee. Besser fände ich es, die finanzielle Förderung anders zu gestalten. Anbieten würde sich z.B. ein Punkte-System, wo Verbesserungen bei
  • Energieverbrauch (z.B. Isolierung, Heizung mit Effizienz größer z.B. 90 %),
  • Luftqualität (z.B. automatisches Lüftungssystem),
  • Wohnqualität (z.B. altersgerechtes Wohnen, Schallschutz-Maßnahmen) und
  • Brandschutz (z.B. automatisches Feuer-Löschsystem)
gefördert würden. Auftrennen in Grundförderbetrag plus Bonus: je größer die gemessene Differenz zwischen vorher und nachher, desto höher der zusätzliche Förderbetrag.

Weitere Ideen:
  • Innovative Produkte und Konzepte zur Gebäudesanierung fördern, z.B. durch Finanzierung der Entwicklung und/oder Aufkauf der Rechte durch den Staat plus Offenlegung/Lizenzkosten freie Nutzung für Jedermann.
  • Energieproduktion und -verbrauch in kleinen Zellen (z.B. PLZ-Gebiete) messen und möglichst in Echtzeit visualisieren (z.B. auf PLZ-Karte).
  • Stromnetz besser regulieren, d.h. Zugang für alle Stromanbieter und faire Preise sicherstellen
  • Einrichtung einer Stiftung. Zweck: Förderung der Energiewende. AKW-Betreiber ggf. dazu zwingen, dass sie einen hohen, jährlich schnell ansteigenden Prozentbetrag ihres Gewinns aus Atomstrom in die Stiftung einzahlen.
  • Begriff "Ökostrom" schützen und verbindlich definieren (analog zu EG-Öko-Verordnung).
  • Einrichtung einer Ökostrom-Börse.

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